Colourful toy
1 Juni 2019

Diabetes und Elternsein

     

Es gibt so viel über das Elternsein, das man erst lernt, wenn man es selbst erlebt. Ihr kennt das – sobald man erzählt, dass man schwanger ist, beginnt die Wahrheit aus denjenigen herauszusprudeln, die bereits Eltern sind. Und so beginnen die Schuldgefühle. ALL die Schuldgefühle!

Da sind zunächst die Schwangerschaftshorrorgeschichten – die Geschichten von endlosem Erbrechen und Müdigkeit. Und dann, wenn der Geburtstermin näher rückt, hat JEDER eine Albtraumgeschichte, die er einem erzählen muss. Als ob man der Geburt nicht schon ängstlich genug entgegensehen würde! Im Wesentlichen legt das den Grundstein für das restliche Leben als Eltern. Es ist, als müsste die Realität der Kindererziehung bis zum „Point of no retun“, vor „Noch-Nicht-Eltern“ verborgen bleiben, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern.

Unser jetziges Leben als Eltern haben mein Mann und ich uns nie so vorgestellt, auch wahrscheinlich auch nicht jene Eltern, die ihre Herausforderungen des Elterndaseins gerne online teilen.  Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich einmal die schwierige Aufgabe einer Bauchspeicheldrüse übernehmen müsste, als bei meinem zweiten Kind im Alter von nur sieben Monaten Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde. Die komplizierten Prozesse, die jedes Mal in unserem Körper ablaufen, wenn wir etwas essen, waren für mich ein biologisches Rätsel, von dem ich vor dem 1. Februar 2004 nichts wusste. Wie konnte ich, chaotisch wie ich bin, Tag für Tag mit so komplexen Gleichungen und Berechnungen betraut werden, von denen das Leben meines Babys abhing? Wie konnte ich diese neuen, sehr spezifischen (und äußerst entmutigenden) Bedürfnisse meines kleinen Mädchens jemals erfüllen? Sicherlich würde uns bei der Entlassung aus dem Krankenhaus eine Krankenschwester zugewiesen, die für immer bei uns leben und sie beschützen würde, dachte ich, als ich neben ihrem Plexiglasbett auf der Intensivstation saß.

Seit diesem Tag im Jahr 2004 ist nichts in unserem Familienleben „normal“ oder „Standard“. Meine Kinder hatten eine Kindheit voller Krankenhausbesuche, medizinischer Terminologie, medizinischer Utensilien, medizinischer Verfahren, multidisziplinärer medizinischer Teams, Forschung, , Freude, Schule, Cousins und Cousinen, Freunde, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen, Taufen und Familie. Und Kuchen. All die normalen, wichtigen Dinge einer Kindheit, verwoben mit der ebenso wichtigen Aufgabe, Pumplettes Gesundheit zu unterstützen. Manchmal verlangt Typ 1 zu viel von ihr und ihrem Support Team ab. Er kann einen überfordern, besonders in Zeiten, in denen es ihr nicht gut geht. In anderen Zeiten ist sie überaus geschickt darin, ihren Diabetes in den Schatten zu stellen – und blickt nicht zurück, sondern geht mutig voraus.

Wir haben in dieser Diabetes-Landschaft einen individuellen Weg eingeschlagen. Wir sind nicht übermäßig organisiert und reglementiert, obwohl das die Unberechenbarkeit dieser Situation etwas erträglicher machen würde. Nein. Nicht wir. Wir sind höchst chaotisch. Manchmal mache ich mir als Mutter Sorgen, ob unser unkonventioneller Ansatz beim Diabetes-Management ausreicht, um ihre Gesundheit langfristig zu schützen, sie glücklich aufwachsen zu sehen und mit den Fähigkeiten auszustatten, die sie braucht, um gut für sich selbst zu sorgen. War es klug, so unorganisiert zu sein und ohne Blutzuckermessgerät zu einer einwöchigen Überseereise aufzubrechen? Nicht besonders. Sind wir in Panik geraten, als uns das beim Einsteigen ins Flugzeug klar wurde? Nein. Was wir gezeigt haben, war, dass man immer eine eigene Lösung finden kann. In Europa würde es bestimmt Blutzuckermessgeräte  und genügend Teststreifen zu kaufen geben, mit denen sie eine Woche lang ihren Blutzuckerspiegel checken konnte. War das ideal? Sicher nicht. Hat es gezeigt, wie widerstandsfähig sie sein kann und dass es immer eine Lösung in heiklen Situationen gibt? Auf jeden Fall.

Im Wesentlichen besteht das Hauptziel der Elternschaft darin, Menschen großzuziehen, die glücklich sind, die hoffentlich in der Lage sind, ein erfülltes, unabhängiges Leben zu führen und mit denen man gerne Zeit verbringt. Ein Kind mit Diabetes zu haben, bedeutet zusätzliche Lebenskompetenz für Pumplette, die sie jeden Tag unter Beweis stellen muss. Es hat auch dazu geführt, dass wir auf unsere Töchter noch ein bisschen stolzer sind. Als ich mit meiner dritten Tochter schwanger war, hörte ich immer dieselben zwei Fragen. Die erste lautete: „Wünscht ihr euch einen Jungen?“ und die zweite: „Habt ihr keine Angst, dass das Baby wie Pumplette wird?“ Fürs Protokoll – wir haben immer gehofft, drei Kinder zu bekommen. Uns war es immer egal, ob es Jungs oder Mädchen sind. Wir hatten auf eine fünfköpfige Familie gehofft, und das sind wir. Was die zweite Frage betrifft – ich habe Pumplettes Leben nie geringer geschätzt als das ihrer beiden Schwestern. Sie sind alle drei gleichermaßen wertvoll und bemerkenswert. Hätte ich mich gegen Pumplette entschieden, wenn ich gewusst hätte, was auf uns als Eltern zukommt? Niemals. Ich würde mich immer wieder für sie entscheiden. Jedes. Einzelne. Mal. Wünschte ich, ich könnte mit ihr tauschen und ihr die Last von den Schultern nehmen, dieT1D ihr aufbürdet? Auf jeden Fall. Mit jedem Atemzug, den ich seit jenem 1. Februar 2004 gemacht habe. Aber da das nicht infrage kommt, feiern wir jede einzelne Sekunde eines jeden Tages unsere bemerkenswerten Töchter, die uns so glücklich machen. Und wir wandern weiter durch unsere Elternschaft – ein Kind wird langsam erwachsen, und ihre beiden Schwestern sind nicht weit davon entfernt. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, welchen Einfluss sie auf die Welt haben werden und wie sie, nicht zuletzt aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen, die einfühlsamsten, mitfühlendsten und engagiertesten Verfechter all jener sein werden, die keine Stimme haben.

Diabetes mag zwar teuflisch sein, aber unsere Mädchen haben das letzte Wort. Sie haben jede Lektion und jedes Hindernis, das er ihnen in den Weg gelegt hat, zum Guten genutzt. Das macht mich in der Tat zu einer sehr stolzen Mama.

Über Annie
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Hi, ich bin Annie. Ich verbringe meine Tage damit, mein Leben zu organisieren, während ich für drei Töchter und einen Hund verantwortlich bin.  Während ich sehr geschickt darin bin, Streits zu schlichten, und haben meine Mädchen ein gewisses Talent den Schokoladenvorrat ohne mein Wissen aufzuessen. Ich fungiere als Bauchspeicheldrüsenersatz für meine mittlere Tochter, seit bei ihr im Alter von 8 Monaten Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde. Ich erinnere mich mit großer Sehnsucht an Schlaf…

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